Zeit nehmen

13.07.2026

Lesedauer ca. 2 -3 min. 

Momentan entsteht so einiges in meinem kleinen, sommerlichen Atelier Niyol. So widme ich mich aktuell nebst der Elementen-Serie auch einer Arbeit für die erneute Teilnahme am Luxembourg Art Prize. Seit einigen Jahren reiche ich dort jährlich ein Werk ein, das mich im aktuellen Lebensabschnitt am meisten beschäftigt hat. Dabei geht es mir nicht primär darum, einen Preis abzuräumen, sondern vielmehr um eine Art Kontinuität – das fortlaufende Dranbleiben an einem spezifischen Thema. Zudem hat man natürlich einen Abgabetermin, der das Ganze doch noch ein wenig spannender macht, haha.

Ich gehöre nicht unbedingt zu den Menschen, die auch wunderbar ohne Ziel oder Deadline an etwas werkeln können. Zumindest habe ich da hie und da meine Mühe, ohne mich gleich gänzlich zu jenen zu zählen, die ohne Druck gar nicht produktiv werden. Ich denke, dass die Auseinandersetzung mit einem Projekt, das man liebt, nicht zwingend zeitlichen Druck benötigt, aber durchaus davon profitieren kann.

Die erneute Teilnahme hat mir dieses Jahr jedenfalls etwas bewusst gemacht: Mir war gar nicht klar, dass ich mich nun schon seit einigen Jahren mit dem Landkarten-Thema auseinandersetze. Irgendwann habe ich angefangen, auf Landkarten zu malen, da ich sie als spannenden Untergrund empfand, eine abwechslungsreiche Alternative zur klassischen Leinwand. Über die Zeit entwickelten sich so ganz unterschiedliche Ergebnisse und Werke. Viele davon habe ich nie veröffentlicht, weil es sich für mich irgendwie unstimmig anfühlte.

Als Künstlerin oder Künstler bekommt man echt oft zu hören:

"Wieso verkaufst du das nicht? Wieso zeigst du das nicht? Das könnte man aber gut und teuer verkaufen!"

Ja, das könnte man alles wunderbar. Aber genau das ist der Punkt und die wohl grösste Unterscheidung zwischen jemandem, der sich tief mit einer Sache auseinandersetzen will, und jemandem, der bloss etwas verkaufen möchte. Wenn man sich einer Sache voll und ganz hingeben mag, dann geht es eben nicht um das Endprodukt per se. Es geht vielmehr darum, den gesamten Prozess zu verstehen, neue Facetten kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern.

Man entwickelt ein feines Gefühl dafür, wie eine Farbe sich je nach Struktur verändert, wie ein leerer Platz auf einem Bild plötzlich eine enorme Wichtigkeit erhält und wie der erste Versuch in einem neuen Thema sich so wunderschön entfalten durfte. Kunst ist wie das Leben: in ständiger Veränderung. Und ja, ich finde den Satz super kitschig und vor einiger Zeit hätte ich wohl noch die Augen darüber gerollt, haha. Doch das gehört eben auch dazu, sich selbst in diese Entwicklung miteinzubeziehen.

Diese Landkartenserie erfüllt mich gerade sehr, weil ich einen wichtigen Aspekt darin ausleben kann. Oder sollte ich eher sagen: Aspekte? Denn diese Stücke sind teilweise gepaart mit einem Thema, das ich gerade behandle – der inneren Teilearbeit (oder Partswork genannt). So werde ich irgendwann verschiedene Landkartenfragmente haben, die von unterschiedlichen Anteilen in mir selbst gestaltet worden sind. Zumindest von denen, die Lust dazu hatten. Klingt sicherlich etwas abstrakt, aber ich werde in künftigen Beiträgen noch näher darauf eingehen.

Was aber zeigt mir das Ganze grundsätzlich? Prozess, Entwicklung und Veränderung entstehen durch Zeit. Das wissen wir wohl alle. Leben wir aber auch danach? Geben wir uns genug Zeit? Gebe ich mir genug Zeit?

In diesem Fall: Ja. Und das ist völlig unbewusst geschehen. Kein Streben, kein Erzwingen. Genau dafür bin ich super dankbar. Es passt einfach so perfekt zu dem, was mir diese Landkarten zeigen: Viele Wege, viele Orte, viele Stationen. Und wenn man sich für jedes Wegstück die nötige Zeit nimmt, dann können sich die vielen Farben daraus erst richtig entfalten.

In dem Sinne: Take your time


Dankeschön fürs Mitlesen!

Diese Beiträge sind Teil meiner künstlerischen Reise, die ich hier mit dir teile.

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Vielen herzlichen Dank für deinen Support und dein Interesse.

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