"Schichten um das Selbst"
Lesedauer ca. 4 - 5 min.
Der Beginn eines Gespräches mit meinen Parts
Die Auseinandersetzung mit dem limbischen System, die ich nun seit einem Jahr regelmässig mithilfe des grossartigen Programms von Primal Trust mache, hat mir richtig schöne Erfahrungen geschenkt, für die ich sehr dankbar bin. Ich konnte viele wunderbare Menschen kennenlernen und eine ganz neue Facette von mir und dem Leben entdecken. Ich merke, dass ich mein Vertrauen in mich und meinen Körper wieder Stück für Stück zurückerlange. Ein riesiges Geschenk in meinem Leben. Es ist wie das letzte fehlende Puzzleteil, das ich lange gesucht hatte. Und für alle Teile dieses Puzzles bin ich dankbar, denn von jedem einzelnen Stück konnte ich etwas Wichtiges lernen.
Vor kurzem hatte ich eine 1:1 Mentoring Session mit einem Primal Trust Mentor, um mich ein wenig auf den nächsten, intensiveren Schritt im Lernprozess von Primal Trust vorzubereiten. Irgendwann während unserer Sitzung sprachen wir über Anteile und Teile oder auch innere Stimmen, innere Kritiker und so weiter in mir, und darüber, wer denn hier wirklich "gesproche" hat. Und es kam mir so vor, als würde er viel offensichtlicher sehen, dass vor allem ein liebevoller Anteil in mir das verbildlicht, was man das Selbst nennen könnte. Er sagte nur sowas wie: "Der eine Part, über den du gesprochen hast – ist das vielleicht gar kein Part, sondern einfach du selbst? Was meinst du?"
Dieser Satz war so logisch und klar, so einfach und doch so komplex, wie er nur hätte sein können. Ich bekam dann am Ende der Sitzung einen richtig guten Buchtipp und habe begonnen, mich mit meinen sogenannten "Parts / Teilen" auseinanderzusetzen.
Anteile? Die Stimmen in einem, die schützen und helfen, die ein waches Auge haben und irgendwann im Leben mal entstanden sind. Das hat nichts mit Schizophrenie zu tun. Für diejenigen, die es näher interessiert: "No Bad Parts" von Richard Schwartz. Lese und verstehe selbst.
Es war mir im Vorhinein nicht ganz klar, ob innere Kritiker oder diese inneren Anteile dasselbe sind, und so beginne ich erst jetzt langsam zu verstehen, wie man das genau ansehen kann. Partswork, so das Wort für diese innere Arbeit, wird mich wahrscheinlich noch eine ganze Weile, wenn nicht mein Leben lang begleiten. Ich nehme an, dass wir Menschen aus so vielen Teilen bestehen, alte friedlich ruhen lassen und vielleicht neue dazustossen. Vielleicht irre ich mich auch, aber ich werde es ja dann sehen und kann mir gut vorstellen, dass es bei jedem Menschen anders aussehen kann. Für mich ist es jedenfalls etwas sehr Spannendes, worauf ich auch Lust habe, mich damit hinzusetzen und zu lernen, selbst wenn da immer etwas Angst mitschwingt.
Da durch diese ganzen Themen die Malerei eine total neue Bedeutung für mich gefunden hat, wollte ich diese Auseinandersetzung mit dem neuen Kapitel Partswork auch direkt bildlich verarbeiten. Ich denke, dass es wahrscheinlich so einige Bilder daraus geben wird, vielleicht auch einfache Skizzen, Serien oder Ähnliches. Jedenfalls ist dadurch dieses erste Bild entstanden, das ich "Schichten um das Selbst" nenne.
Der erste Part, der mir begegnet ist, und von dem ich im Nachhinein zugeben muss, dass ich ihn ziemlich gut kenne, ist dieser Part des vielseitigen Drucks. Es ist ein Druck, der mich unruhig werden lässt und sich eben vielseitig in all meinen Zellen ausbreitet. Ein Hin und Her, ein Auf und Ab, oberflächlich oder tiefgründig im eigenen Schatten wandelnd. Während ich diese Zeilen schreibe, macht sich auch ein anderer bemerkbar, welcher eher aus purer Nervosität besteht, und vielleicht auch ein innerer Kritiker, der sich denkt, ich sollte dies besser nicht schreiben, denn "was sollen nur die Leute denken".
Ich werde mich natürlich noch sehr verständnisvoll um diese Bereiche kümmern. Denn ich merke, dass dieser Impuls aus einem vertrauten Gefühl, aus meinem Selbst heraus entsteht. Soweit ich verstanden habe, ist das auch das eigentliche Ziel der Partswork Arbeit: Den Teilen aus dem inneren Selbst heraus zu begegnen, um wieder ganz bei sich, beim Self, anzukommen.. Dieses authentische Ich, welches man nicht brechen, verändern oder kaputtmachen kann. Es ist. Es war schon immer. Und es wird bleiben. Es ist diese Kraft, dann genau so zu leben und das zu leben, was einen selbst zu 100% ausmacht. Und wenn ich dies so schreibe, beruhigen sich mein nervöser Anteil und der Kritiker sofort. Dieser Gedanke an das Selbst ist wunderschön und etwas, worauf ich richtig herrlich Lust habe, es zu erkunden und irgendwann, früher oder später, auch zu leben. Wieder verbunden zu sein mit meinem Selbst.
Im Bild machen sich diese feinen Annäherungen zum Selbst durch die goldenen Farbakzente bemerkbar. Es ist ein Element, das das Auge automatisch führt und dem Werk ein Gefühl von Hoffnung, Führung und Vertrauen schenkt. Im Ganzen kann es auf die betrachtende Person aber auch etwas düster wirken, das könnte ich mir durchaus vorstellen. Ich glaube, das darf es auch. Ich würde nicht von mir behaupten, dass mein Inneres nur aus Fröhlichkeit und Sonnenschein besteht. Es darf genauso auch dunkle und neblige Anteile haben. So besteht es aus vielen Formen, Farben und Facetten. Genau so, wie ich mein Inneres mit all seinen Parts sehe und wahrnehme.
Es gibt Parts, die sind vielleicht noch eher leicht und mussten nicht etwas sein, was sie nicht waren. Andere Parts sind sehr zerrissen und schwer, weil sie mich seit langer Zeit schützen, und dies auf eine Weise, die ihnen eigentlich gar nicht taugt. Es gibt Mischformen daraus und Verbindungen zueinander. Zumindest sehe ich das aus dieser ersten, anfänglichen Sichtweise. Ich bin gespannt, wie sich das malerisch verändern kann oder wird, wenn ich mich weiter mit dem Thema auseinandersetze, und natürlich zu guter Letzt, wie es sich in mir selbst und meinem Leben zeigen wird.
Nun also, hier mit diesem Bild, beginne ich so liebevoll wie ich kann und so neugierig wie es geht diese inneren Reise zu mir. Ich spüre, dass viel Liebe, Authentizität, Wärme und Vertrauen auf mich warten.
Danke, ihr Anteile in mir, fürs Warten, fürs Schützen, fürs Jemand anderes Sein, um mir zu helfen. Ich bin jetzt da und höre gerne zu. Ich bin da und teile nach aussen, egal welche Farben ihr in euch tragt.
Danke fürs Mitlesen!
Diese Beiträge sind Teil meiner künstlerischen Reise, die ich hier mit dir teile. Wenn dieser Einblick dich inspiriert hat und du mich ein Stück weiter auf meinem Weg begleiten möchtest, kannst du meine Atelierarbeit mit einem kleinen Beitrag für neue Farben oder eine kreative Kaffeepause unterstützen.
Vielen herzlichen Dank für deinen Support.
