Losing to find

18.08.2026

Schon irgendwie verrückt, wir alle kennen diesen bescheuerten Spruch "losing to find" oder ähnliche Phrasen. Kein Mensch findet das hilfreich, wenn er gerade in einem Zustand ist, der genau das von einem verlangt. Los! Schmeiss es weg! Geh, lass los! Verlier dich selbst, um dich wiederzufinden! Lass alles sein, lass es sterben, lass es stehen und liegen.

Was für Sätze das sind, und wie sie gleichzeitig so viel Wahrheit und Kraft in sich tragen, während sie, wenn ich sie jetzt aufschreibe, einfach mal innerlich rumstressen.

Verlieren um zu finden. Wenn ich etwas zurückdenke – und es braucht nur wenige Jahre –, dann merke ich, wie sehr ich Teile gehen liess, die mir nicht mehr gedient haben. Dies mag eventuell auch ein stetig wandelnder Prozess sein. Wer ist schon noch dieselbe Person wie vor 5 Minuten? Wir sterben jede Sekunde, zumindest Teile von uns. In meinem Umfeld sehe ich wahnsinnige Feuer brennen, ich beobachte Veränderung und Entwicklung. Ich sehe grosse Verluste, aber ebenso viel Neues, das entdeckt wird.

Noch Anfang des Jahres dachte ich, dass ich mich einfach mal so mit dem Begriff Authentizität auseinandersetzen könnte. Allerdings hatte ich keinen allzu grossen Plan, wie sich das überhaupt auf mein Leben auswirken könnte. Jetzt zeigt sich etwas, das sich auch in diesem Bild mit dem Titel "Losing to find" widerspiegelt. Facetten, Schichten, Farben, Strukturen platzen hervor. Alle so unterschiedlich und trotzdem ergibt es ein harmonisches Ganzes. Energie, die innerlich da war, ist nun äusserlich sichtbar. Genau das liebe ich an der Malerei, am menschlichen Ausdruck.

Es starb Altes ab und Neues kam zum Vorschein. Wenn ich mir nur schon überlege, was für wundervolle Menschen ich kennenlernen durfte und wie sie mein Herz berührt haben – Grüsse gehen raus an meine Primal Trust Fellows. Auch bereits bekannte Wegbegleiter blieben. Zwar viel weniger, und ich glaube, es hat sich sehr gut ausgedünnt, aber es blieben jene Personen, mit denen ich mich trotzdem immer auf eine schöne und leichte Art und Weiseverbunden fühlte . Es ist fast so, als würde sich ein Leben neu ordnen mit all dem, was innen so an Auswahl bereitsteht. Nur diesmal mit einer noch authentischeren Auswahl.

Heisst also "Verlieren um zu finden" in erster Linie, sich neu zu sortieren? Alles von sich selbst auf den Tisch oder die Leinwand zu klatschen, es neu anzuordnen und sich einen frischen Blick darauf zu erlauben? Kann man das neu entstandene Werk denn neutral ansehen? Kann man es interpretieren? Erlaubst du dir überhaupt, eine neue Version deiner selbst zu sein oder kommt es dir eher darauf an, ob sie äusserliche Akzeptanz erfährt?

Sollte sich dein Leben gerade wie in einem Feuer anfühlen, wie einem Tsunami ausgeliefert, oder solltest du dich vor einem riesigen, scheinbar unbezwingbaren Berg wiederfinden, dann vergiss nicht: Halte deine Füsse fest auf dem Boden. Du bist nicht allein.

Es ist mir ganz klar, dass ich vieles verlieren musste, muss und werde, um das Leben immer und immer wieder neu zu finden. Viele Pläne und noch mehr Wünsche werden sich verändern, Flüsse werden in andere Meere fliessen als auf der Karte angezeigt und alles um einen herum wird sich drehen wie auf einem Karussell. 

Das, was bleibt, bist du als Mensch – bestenfalls in deiner eigenen Mitte. Denn so bleibst du unbeeindruckt vom schnellen Wechsel, von der Dynamik der Drehkraft dieser Welt.


Merci fürs Mitlesen!

Diese Beiträge sind Teil meiner künstlerischen Reise und erzählen die eigenen Geschichten hinter den Leinwänden.

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